PERSPEKTIVE September - Oktober 2018

Warum kämpfen eigentlich Menschen gegen Gott? Gegen sein Wort und gegen das, was er tut? Haben manche Menschen die besseren Argumente, oder liegen die Gründe für den Widerstand woanders?

Widerstand gegen Gott?
Widerstand ist immer aktuell und hat sehr viele Facetten. Der Blick in ein Synonymwörterbuch verrät die Vielfalt. Es werden 430 verschiedene Begriffe in 28 Gruppen aufgelistet. Die Bandbreite reicht von Abweisung über Eigensinn, Aufsässigkeit, Behinderung bis zur offenen Rebellion. Widerstand hat offensichtlich eine aktive und eine passive Seite.
Widerstand gegen Gott im aktiven Sinn ist selbstverständlich Unfug. Denn was kann ein Mensch schon gegen Gott tun? Er kann ihn anschreien, ihn verfluchen, ihn verachten, verleugnen. Aber das wird Gott niemals beeinträchtigen. Sehr anschaulich beschreibt die Bibel das am Anfang des zweiten Psalms:

„Was soll das Toben der Völker? Was soll ihr sinnloser Plan? Die Großen der Welt lehnen sich auf, verschwören sich gegen Jahwe. Gegen seinen Messias gehen sie an: ‚Los, wir zerreißen die Fessel, befreien uns von ihrem Strick!‘ Doch der im Himmel thront, lacht, der Herr lacht sie nur spöttisch aus“ (Ps 2,1-4, NeÜ).

Ein Aufstand gegen Gott ist wie Don Quijotes Kampf gegen Windmühlenflügel, absolut lächerlich. Nicht lächerlich allerdings ist der Kampf gegen den Glauben der Gottgläubigen und gegen die Basis ihres Glaubens, nämlich Gottes heiliges Wort.
Im Folgenden beschränke ich mich auf die Situation in Europa, speziell in Deutschland. Den Widerstand gegen Gott möchte ich im Sinn von Ableugnung, Ablehnung und Abweisung beschreiben. Was uns hier begegnet, ist erstens die Ableugnung von Gottes Existenz, zweitens die Ablehnung von Gottes Wort und drittens die Abweisung von Gottes Anspruch. Am Schluss sollen einige Überlegungen folgen, was wir als Menschen, die Gott lieben und ihm dienen wollen, in diesem Zusammenhang tun können.

Widerstand gegen Gottes Existenz
„Wir sind nicht die Krone der Schöpfung, sondern die Neandertaler von morgen", behauptet die Giordano-Bruno-Stiftung. Ihre Vertreter glauben an den Menschen und seine Entwicklungsfähigkeit. Allerdings begreifen sie den Menschen nur als das unbeabsichtigte Produkt einer natürlichen Evolution.
Im Prinzip atheistisch, meiden die Mitglieder und Freunde der Stiftung aber den Begriff Atheisten. Wegen dessen medial zugkräftigen „Schwefelgeruchs“ nennen sie sich lieber Naturalisten. Erstaunlicherweise können sie sogar eine bestimmte Gottesvorstellung akzeptieren, wenn dabei auf Wunder- und Schöpfungsglauben verzichtet wird. Die meisten dieser Naturalisten meinen allerdings, auf die „unelegante Hypothese Gott“ gut und gerne verzichten zu können.

Ein Atheist ist jemand, der nicht an Gott glaubt. Er ist nicht unbedingt jemand, der glaubt, es gäbe keinen Gott. Solch eine Haltung würde man als positiven oder starken Atheismus bezeichnen – sie wird ziemlich selten vertreten. Eine Position, bei der einfach der Glauben an Gott fehlt, nennt man negativen oder schwachen Atheismus. So ähnlich definieren sich Atheisten selbst. Die meisten von ihnen müsste man demnach aber als Agnostiker bezeichnen, Menschen, die nicht wissen oder sich nicht darum kümmern, ob es Gott gibt.
Atheismus tritt vielschichtig auf: Einerseits hat er die Naturwissenschaft zur alleserklärenden Instanz erhoben, andererseits kann er aber nicht erklären, warum. Manchmal tritt er durch Kampagnen hervor und behauptet kurzerhand, Atheismus sei ein „Leben ohne Gott und Gespenster“. Ende 2007 veröffentliche Schmidt-Salomo das religionskritische Kinderbuch: „Wo bitte geht es zu Gott? fragte das kleine Ferkel“. Das Buch ging zig-tausendfach über die Ladentheke und wurde endgültig zum Medienereignis, als das Bundesfamilienministerium beantragte, das Buch auf die Liste der jugendgefährdenden Medien zu setzen. Der Antrag wurde abgelehnt.
Seit Anfang Januar 2009 stand auf rund 800 Bussen in Großbritannien: „Es gibt wahrscheinlich keinen Gott – also hör auf, dir Sorgen zu machen.“ Auch in Deutschland folgte eine Bus-Kampagne, allerdings nur mit einem einzigen Doppeldecker und der Aufschrift: „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott.“ Er fuhr durch 25 Städte, erhielt aber nur sehr geringe Resonanz. Atheisten bedauern, dass sie selbst wenig organisiert sind. Es gibt einzelne Versuche, sich als „Gemeinde der Gottlosen“ zu begreifen und sich zu einer Art Erbauung zu versammeln, wie der SPIEGEL am 28.9.2014 berichtete.
Sehr viel stärker ist aber das, was man „wissenschaftliche Weltanschauung“ nennt, die in Schulen und Universitäten, von Politik und Medien als die allein gültige und vernünftige Sicht der Dinge nicht nur proklamiert, sondern auch durchgesetzt wird. Gemeint ist immer das vorherrschende Evolutionsparadigma. Nach dieser heute herrschenden naturalistischen Weltsicht ist alles, was es gibt, von selbst aus einem nichtgeistigen, nichtrationalen Zustand heraus entstanden und damit ohne Gott erklärbar. Nur diese Sichtweise gilt als Ausdruck wissenschaftlichen und aufgeklärten Denkens.
Dazu sollte man aber auch wissen, dass jede Weltanschauung immer wie eine Brille wirkt. Auf Grundlage seiner Weltanschauung entscheidet ein Mensch, was real und wichtig oder unwahrscheinlich und weniger wichtig ist. Seine Weltanschauung steuert sein Denken.
„Wer also dem Evolutionsparadigma widerspricht, muss mit Desinteresse am Beweismaterial, mit Ablehnung einer offenen Diskussion, mit hartnäckigen Vorurteilen, Herabwürdigungen, Verunglimpfungen, Zensurversuchen und sogar Hass rechnen“, schreibt der finnische Wissenschaftler Matti Leisola aufgrund eigener Erfahrung. (1)
Und wenn erkannt wird, dass eine kritische Haltung zu der sogenannten wissenschaftlichen Weltanschauung auch noch mit einem bibeltreuen Christsein verbunden ist, wird schnell die Fundamentalismus-Keule geschwungen. Und wer als Fundamentalist dasteht, muss sich nicht wundern, dass man ihn zumindest für gefährlich hält.
Dazu kommt noch, dass große, von Steuergeldern bezahlte Medien wie ARD und ZDF fast durchgehend polemisch und abfällig über Christen und ihre Glaubensüberzeugungen berichten, insbesondere über Evangelikale.

Widerstand gegen Gottes Wort
Es ist eigenartig, dass der Widerstand gegen Gottes Wort heute nicht nur von Atheisten kommt, die vor allem die Irrtumslosigkeit der Bibel bestreiten, sondern auch von denen, die Menschen zur Verkündigung des Wort Gottes ausbilden: hauptsächlich Universitätstheologen, inzwischen aber auch Theologen an freikirchlichen Ausbildungsstätten.
Diese bibelkritische Haltung begann schon bei Johann Salomo Semler (1725–1791), dessen Grundprinzip lautete: „Die Wurzel des Übels (in der Theologie) ist die Verwechslung von Schrift und Wort Gottes.“ Was in der Bibel nun aber als Gottes Wort gelten könne, entschieden fortan viele Theologen nach eigenen Kriterien. Bald hatte jeder seinen selbstkonstruierten „Kanon im Kanon“. Es entstand im Lauf der Jahre die sogenannte historisch-kritische Methode der Schriftauslegung.
Dabei waren sich diese Theologen mehr über das einig, was in der Bibel unbedingt abgelehnt werden müsse, als über das, was nun positiv als Gottes Wort gelten könne. Interessanterweise entspricht das wiederum genau dem Punkt, den auch die Naturalisten ablehnen, nämlich den Wunder- und Schöpfungsglauben.
Damit wird praktisch alles göttliche Wirken in und an der Bibel abgelehnt. In der Schöpfung darf Gott nur noch den Startschuss geben. Alles Weitere folgt dem Wirken der Evolution, also dem Zufall, verbunden mit sehr viel Zeit. Man behauptet, die Bibel sage nichts aus über das Wie der Schöpfung, sondern nur über das Dass. Damit bleiben von den ersten Kapiteln der Bibel nur noch schöne Geschichten übrig, allerdings sehr bedeutsame und „wahre“, wie man betont. Mit der Wirklichkeit unserer Welt haben sie aber nichts mehr zu tun. Genauso ist es mit jedem Eingreifen Gottes in der Geschichte seines Volkes, etwa die Wunder beim Auszug aus Ägypten oder in der Zeit der Wüstenwanderung. Dann gibt es natürlich auch keine echte Prophetie mitsamt ihrer Erfüllung mehr, auch keine Heilsgeschichte, keine Jungfrauengeburt, keine echte Brotvermehrung, kein Wandeln auf dem See, keine Totenauferweckung des Lazarus und natürlich auch keine Auferstehung und Himmelfahrt von Jesus Christus.
Selbstverständlich ist dann auch die Entstehung der biblischen Bücher keineswegs auf göttliche Inspiration zurückzuführen. Die biblischen Texte sind nichts weiter als Glaubenszeugnisse von Menschen, oftmals von vielen verschiedenen Verfassern zusammengestoppelt. Ob sich die berichteten Dinge so abgespielt haben wie beschrieben, ist höchst zweifelhaft. Es sind mehr oder weniger gut erfundene Storys (natürlich von einem hohen Aussagegehalt). Dass manche dieser Theologen trotzdem noch an die leibhaftige Auferstehung von Jesus Christus und seine Aufnahme in den Himmel glauben, erscheint angesichts ihrer eigenen Prämissen ziemlich willkürlich und nicht gerade von Logik bestimmt.
Besonders hervorgetan hat sich in letzter Zeit eine angeblich evangelikale Organisation namens Worthaus, die sich vor allem an und gegen konservative Christen richtet. So werden diese in einem Vortrag von Prof. Zimmer über Sexualethik als ungebildet und bildungsfeindlich bezeichnet. Eine konservative Ethik beruhe auf „Dummheit und Naivität“. Bei Worthaus werden ihnen endlich ein bisschen Bildung und echte Aufklärung geboten. Eine Untersuchung dieses Vortrags offenbart allerdings erhebliche historische und exegetische Mängel. (2) Untersucht man die Denkvoraussetzungen der Worthaus-Theologie, stößt man auf drei Grundaussagen. (3)
1. Die Bibel ist nicht ohne weiteres verständlich. Man muss sie mithilfe der modernen (kritischen) Bibelwissenschaften interpretieren.
2. Die Bibel ist widersprüchlich. Ein geschlossenes Weltbild auf der Grundlage der Bibel ist nicht machbar.
3. Die Bibel ist fehlerhaft. So wird selbst den Augenzeugenberichten des Lukas von Worthaus-Referenten die Historizität abgesprochen.

Widerstand gegen Gottes Anspruch
Konservative Christen werden also von allen Seiten aufklärerisch bedrängt: von atheistischen, evolutionistischen, bibelkritischen Weltanschauungen, die sich merkwürdigerweise gar nicht sehr unterscheiden.
Damit ist aber nicht gesagt, dass bei konservativen Christen nun automatisch alles in Ordnung ist. Das klare Bekenntnis zu Gott und seinem Wort, zum Sühnopfer von Jesus Christus, seiner Auferstehung, Himmelfahrt und baldigen Wiederkunft ist nur die eine Seite. Die andere ist das Leben mit Gott nach den Maßstäben des Neuen Testaments in Verbindung mit Jesus Christus und der Kraft seines Heiligen Geistes.
Leider kann es auch bei konservativen Christen Widerstand gegen Gott und seinen Anspruch geben, der sich dann in Passivität und Gleichgültigkeit ausdrückt, vielleicht sogar in Rechthaberei und Streit. Rechtgläubigkeit ohne Gottes- und Nächstenliebe, ohne Nachfolge und Jüngerschaft ist wertlos und kann nichts bewirken, was Gott ehrt.

Richtige Reaktion
Die richtige Reaktion ist nicht Resignation, sondern etwas, das vielleicht mit diesen drei Tätigkeiten beschrieben werden kann: lieben – lesen – leben.

Ich will Gott lieben mit meinem ganzen Herzen, meiner ganzen Seele, mit meinem ganzen Verstand und meiner ganzen Kraft und meinen Nächsten wie mich selbst. Und immer wieder bitte ich meinen Herrn darum, es in mir zu bewirken, denn es steht geschrieben, dass er das Wollen und das Vollbringen schenkt.

Ich will Gottes Wort täglich lesen und Teile davon auswendig lernen, um es in mich aufzunehmen. Ich will sein Wort studieren und verstehen und dazu alle verfügbaren bibeltreuen Hilfsmittel nutzen. Solche werden zum Beispiel vom Bibelbund (www.bibelbund.de) und der Studiengemeinschaft Wort und Wissen (www.wort-und-wissen.de) zur Verfügung gestellt. Ich möchte „Bibel lesen und die Welt verstehen“ (4) bei gleichzeitiger Ablehnung der Evolutionsideologie und Achtung der Ergebnisse echter Naturwissenschaft.

Ich will so leben, wie es Gott gefällt, und die Gelegenheiten nutzen, die Gott mir gibt, um andere zu ermutigen, Gottes Wort zu vertrauen. Ich will nach meinen Möglichkeiten die Grundlagen bibelkritischer Anschauungen aufzeigen und infrage stellen und mich nicht vom Mainstream irritieren lassen.

Karl-Heinz Vanheiden

 

P 2018 05

Rezension

  • Weiterglauben - Rezension (Thomas Lauterbach)

aktuelles

  • Brüdergemeinden - wo geht es hin / Ergänzung (Martin von der Mühlen)

denken

  • Widerstand gegen Gott (Karl-Heinz Vanheiden)

glauben

  • Bewahrung (Immanuel Martella)
  • Arme Reiche (Dieter Ziegeler)
  • Aufschreckend direkt (Johannes Gerloff)
  • Mut für Gott? - Ähm, doch! (Benjamin Vorherr)

leben

  • Der doppelte Staatsbürger (Gottfried Schauer)
  • Verfolgt - um seines Namens willen (Albrecht Hauser)
  • Trotzdem: Einen Apfelbaum pflanzen (Jürgen Lutter)
  • Vergesst eure Lehrer nicht! (Hartmut Wahl)
Orientierung

Die PERSPEKTIVE analysiert aktuelle Entwicklungen – denn wir brauchen Orientierung, wenn selbst Fakten fragwürdig werden.

Maßstab

Die PERSPEKTIVE stellt sich der Bibel und wichtigen Fragen unserer Zeit – denn alles, was wir über und von Gott wissen können, zeigt er uns in seinem Wort.

Ermutigung

Die PERSPEKTIVE ermutigt, Jesus Christus zu vertrauen und Zweifel zu überwinden – denn Glaube lebt aus einer aktiven Gottesbeziehung.

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