PERSPEKTIVE November - Dezember 2018

Endgültig!

Sie kamen aus Kroatien und Bulgarien, aus Afghanistan, Syrien und dem Iran, aus Guinea-Bissau und der Dominikanischen Republik. Flüchtlinge, allein oder mit ihren Eltern, in Deutschland angelandet und dann in unseren beiden IVK-Flüchtlingsklassen in Hamburg aufgenommen.

Am 23. November 2016 erhielten sie die Gelegenheit, mit einem Team aus beiden Klassen am „Basketball-Turnier der Sportregion Hamburg-Wandsbek-Süd“ der Jahrgänge 7–10 teilzunehmen. In acht Spielen mussten sie antreten. Sie spielten fair, umsichtig, schnell und warfen geniale Körbe. Doch dann mussten sie gegen die Mannschaft einer benachbarten Schule auflaufen, die offenbar die Sportarten durcheinanderwarf. Die gegnerische Mannschaft ging durchweg mit unbilliger Härte ins Geschehen und mit Fäusten und Ellenbogen in die Flüchtlinge. Das Team der Flüchtlingsklasse verlor dadurch den Sieg und den 1. Platz.
Doch der Tutor der IVK (Internationale Vorbereitungsklasse), der gleichzeitig ihr Sportlehrer war, legte Beschwerde ein, diskutierte zehn Minuten mit der Wettkampfleitung, dem Schiedsrichter und dem Betreuer der anderen Mannschaft. Nach einer sachlichen Analyse und einer Befragung aller Beteiligten gab ihm der Veranstalter schließlich recht. Das Spiel wurde annulliert. Der für die Klasse unmöglich gewordene Sieg wurde durch den Einsatz ihres Tutors doch noch errungen. Die IVK gewann den 1. Platz, erhielt den Pokal der Sportregion Wandsbek-Süd und die Goldmedaille.
Ihre Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die ganze Sporthalle feierten sie bei der Preisverleihung unter lauten Jubelrufen und mit donnerndem Applaus. Dutzende von Armen reckten sich in die Höhe, dem Pokal entgegen. Sie sangen, sie johlten. Ihre Gesichter strahlten. Gesichter, die in ihrem bisherigen Leben so viel Leid, Trauer und Elend gesehen hatten, blickten im Lichtstrahl des Sieges hoffnungsvoll in die Zukunft.


Der Pokal steht immer noch in der Klasse. Selbst wenn die IVK-Schüler und -schülerinnen bald wieder getrennte Wege gehen werden, wird der Triumph von Wandsbek-Süd sie immer begleiten und der Sieg niemals wieder von ihnen genommen werden können. Selbst wenn sie einmal zweifeln sollten, ob ihnen der Sieg nicht doch noch nachträglich aberkannt werden könnte, reicht ein Blick auf den Pokal als bleibender Beweis für den Sieg, den sie nicht mehr aus eigener Kraft hatten erringen können, aber am Ende dennoch erhielten, weil er für sie erkämpft wurde. Auch die gegnerische Mannschaft hat das (zähneknirschend und mit manch unschöner Beleidigung und wütender Drohung) hingenommen. Es blieb ihr auch nichts anders übrig, denn die Autorität des Amtes der Region Wandsbek-Süd hatte ein endgültiges und auf Dauer Bestand habendes Urteil gesprochen, dem auch sie sich beugen musste.

Blut um Mitternacht
Es war Mitternacht, als Gott durch das Land Ägypten ging und das Todesgericht vollzog. Nur an jenen Häusern im Landesteil Gosen, an deren Türrahmen sich Lammesblut befand, ging das Gericht gnädig vorbei. Die Menschen hinter den rot getränkten Türeingängen verließen sich, was ihre Verschonung anging, ganz auf das durch Mose übermittelte Versprechen Gottes: „Sehe ich das Blut, so werde ich vorübergehen“ (2. Mose 12,13).
Wenn nun ein Hausbesitzer unsicher gewesen wäre, ob Gottes Zusage ausreichen würde und wäre noch kurz vor Sonnenuntergang hinausgegangen, um auch die Tür selbst und alle Fensterrahmen mit Blut zu bestreichen, hätte ihn dieses Zweifelshandeln viel Zeit und Mühe gekostet, am Ende allerdings wäre sein Erstgeborener auch ohne diese eigene Sicherheitsergänzung verschont geblieben. Und hätte ein anderer Zweifler neben dem Blut des geschlachteten Lammes noch zusätzlich Schlösser und Ketten an Fenster und Türen angebracht, wäre auch das genauso überflüssig gewesen. Das an seiner Familie nicht wirksam werdende Todesgericht orientierte sich allein an Gottes Zusage: „Sehe ich das Blut, so werde ich vorübergehen“, egal, ob hinter den Türen zagend gezittert oder zuversichtlich geglaubt wurde.

Irrungen und Wirrungen
Mancher Christ stolpert verzweifelt durch sein Glaubensleben. Ruhe, Sicherheit und Gewissheit fehlen ihm. Falsche Lehren ziehen ihn in Glaubensirrungen und Vertrauenswirrungen. Verführungen lassen ihn zunehmend an der Sicherheit des Heils und der dauerhaften Tragfähigkeit des Werkes von Golgatha zweifeln und verzweifeln.
Vergebung und Gotteskindschaft, ewiges Heil und eine sichere himmlische Heimat sind jedoch keinesfalls auf einer menschlichen Basis von Gefühlen oder ergänzenden Eigenbeiträgen aufgebaut, sondern allein auf eine fundamental biblische Tatsache gegründet. Diese Tatsache ist das Werk Christi. Das Wunder von Golgatha reicht aus. Es ist vollbracht. Da ist nichts mehr hinzuzufügen. Wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes – ein für alle Mal!
Auf unserer Seite bleibt nur, das Geschenk der Gnade (sola gratia) glaubend anzunehmen (sola fide). Denn „Glaube“, so Os Guiness, „lebt nicht von dünner Luft, sondern von Fakten“, und zwar göttlich-sicheren Fakten. Keine menschlichen Fake News. Deshalb bleibt für Johannes auch nicht die Spur eines Zweifelsspielraums, wenn er in seinem ersten Brief unmissverständlich festhält, dass diejenigen, die an Jesus glauben, wissen können, dass ihnen ewiges Leben zugesprochen ist (1Jo 5,13; 6,47). Nicht hoffen können, nicht davon ausgehen können, sondern wissen können. Seliges Wissen, Jesus ist mein.

Der Anker hinter dem Vorhang
Dem Zweifelnden und Verführten, dem Golgathas Hügel nicht (mehr) ausreicht, und der dann nach weiteren heilsabsichernden Möglichkeiten Ausschau hält, gleicht einem Kapitän, der den Anker seines Schiffes in das eigene Gefährt hinein versenkt und sich anschließend wundert, dass der Kahn vollläuft und versinkt. Natürlich wird jeder halbwegs gescheite Kapitän den Anker nach draußen in sicheren Grund werfen.
Der Schreiber des Hebräerbriefes wusste genau, wohin er seinen Lebensanker geworfen hatte. Er kannte einen bleibenden und abgesicherten Ruheplatz. Einen Ankergrund, dem auch die Zweifelsstürme des Lebens nichts anhaben konnten, fand er nicht in sich, sondern an einem Ort jenseits der eigenen Person: „Wir haben einen sicheren und festen Anker der Seele, der in das Innere des Heiligtums hineingeht, wo … Jesus … ist“ (Hebr 6,19.20).
Der kundige Bibelleser weiß, dass das Innere des Heiligtums gleichbedeutend mit Gott und seiner Gegenwart ist. Der Anker unseres Seelenheils ruht in der Person Gottes, in Jesus Christus, in dem geschlachteten Lamm. Wer wollte sich hinter den Vorhang des Allerheiligsten schleichen und unser Heil dort lösen? Wer wollte vor den Allmächtigen treten, um Bedenken an der ewigen Tragkraft des in seinem Thron verankerten Heils anzumelden?
Wenn ich künftig in Unruhe und Ungewissheit bin, darf ich den Blick von mir oder möglichen Verführern abwenden und nach Golgatha sehen, wo mein Lebensanker fest um das Kreuz geschlungen liegt. Statt zweifelnd die vollkommene Sicherheit von Gottes Heilszusage zu hinterfragen, darf ich ihm für sein zeitlos ausreichendes Opfer in Jesus danken. Wie einst um Mitternacht in Ägypten lässt das Blut am Kreuz Gottes Gericht auf ewig an mir vorüberziehen. Selbst wenn der Teufel und seine Mächte der Finsternis mich ängstigen und Zweifel in mein Herz säen wollen, können sie doch nicht einen Hauch an der Tatsache des vollgenügsamen Opfers Christi ändern. Auch die Nacht hat den Schrei Gottes gehört: „Es ist vollbracht.“

Das große Tetelestai
Der Ruf Jesu nach den drei Stunden der Finsternis „Es ist vollbracht!“ ist eigentlich nur ein Wort, nämlich „tetelestai“. Dieses Wort wurde u. a. unter Kaufverträge gesetzt, wenn der komplette Preis gezahlt war, sozusagen ein offizielles „vollständig beglichen“. Jesus zahlte vollständig und kaufte uns dadurch vom Sklavenmarkt der Sünde und des Teufels frei. Jesus zahlte endgültig, und Gott setzte sein Tetelestai-Siegel darunter.
Erwin Lutzer schreibt: „Jesus starb in der Gewissheit, dass seine Aufgabe vollkommen und ewig abgeschlossen war. … In diesen Worten liegt die Gewissheit unseres Heils, das sichere Wissen, dass unsere persönliche Schuld beim Vater … bezahlt worden ist.“ Und für Otto Riethmüller ist es schlicht und einfach die „Krönung und Vollendung seines … Werkes“. Der Schuldschein ist ans Kreuz genagelt und gelöscht, der Lohn der Sünde ist bezahlt (Kol 2,13-15). Tetelestai – für heute und morgen und jeden Augenblick diesseits und jenseits der Todeslinie.
Darauf verlasse ich mich im wahrsten Sinne des Wortes. Ich ver-lasse mich. Ich trete aus mir aus – aus meinen schwankenden Gefühlen des „Ich meine, ich hoffe, ich gehe davon aus, es wird wohl so sein.“ Ich lasse mich und verlasse mich und trete ein in die sichere Gewissheit hinter dem Vorhang, wo mein Heil zeitlos abgesichert ruht. Der vor den Toren der Ewigkeit stehende Paulus schreibt an Timotheus: „Der feste Grund Gottes steht …!“ (2Tim 2,19).
Vermutlich von diesem Wort inspiriert dichtete Johannes A. Rothe (1688–1758):
„Ich habe nun den Grund gefunden,
der meinen Anker ewig hält:
Wo anders als in Jesu Wunden?
Da lag er vor der Zeit der Welt,
der Grund, der unbeweglich steht,
wenn Erd‘ und Himmel untergeht.“
Noah kam, wie Heinz Zahrnt (1915–2003) bemerkt, nicht sicher durch die Flut, weil er ein so versierter Schiffsbauer war, sondern weil Gottes Holzarche ihn hindurchtrug. Wir kommen nicht sicher durch die Gerichts- und Todesflut, weil wir so versierte Religionsstrategen wären, sondern weil Gottes Holzkreuz von Golgatha, das perfekte Rettungsboot, uns hindurchträgt. „Es fehlt nichts daran“, fährt Zahrnt fort, „ … (es) … ist … etwas Ganzes“. Es ist ein perfektes Ganzes, weil sich hier „Gott … mit uns selbst versöhnt hat durch Jesus Christus“ (2Kor 5,18.19). Es ist getan. Abgeschlossen. Vergangenheit. Unwiderruflich. Endgültig. Tetelestai.

Billy Graham und das Fundament von Tatsachen
Die Frage ist, ob ich Gott so vorbehaltlos (ver)traue oder ob ich ihn durch meine Unsicherheitszweifel zum Lügner machen will. Brace hebt mit Blick auf 2Tim 1,12 („Ich weiß, wem ich geglaubt habe.“) hervor, dass „unser Glaube eine versagende Größe“ bleibt und es daher gut ist, dass Paulus nicht schreibt: „Wie ich geglaubt habe“, sondern „wem ich geglaubt habe“. Die Errettung und die Heilsicherheit hängen definitiv nicht von der Stärke oder Schwäche meines Glaubens ab, sondern ausschließlich von der Stärke Gottes und seinem Heilshandeln.
Der in diesem Jahr sicher auf der anderen Uferseite des Lebens angelangte Billy Graham (1918–2018) fasst dies in seinem bekannten Buch „Friede mit Gott“ kurz und prägnant zusammen: „ ‚Ich weiß, wem ich geglaubt habe.‘ … Das Werk Christi ist eine Tatsache. Das Kreuz ist eine Tatsache. … Christi Auferstehung ist eine Tatsache. … Auf Christus für die ewige Errettung zu vertrauen bedeutet, auf eine Tatsache zu vertrauen. … Der Mensch wird errettet, indem er auf das vollbrachte Werk Christi am Kreuz vertraut.“

Die Wuppertaler Schwebebahn
Wenn man in Wuppertal mit der Schwebebahn von Oberbarmen nach Vohwinkel fährt, passiert man zwischen den Haltestellen Loher Brücke und Völklinger Straße eine Kirche, deren Rückseite zum Wupperufer gerichtet ist. Von der sich über den Fluss schlängelnden Bahn hat man einen guten Blick auf die kleine Hinterpforte der Kirche. In großen, roten Buchstaben ist oberhalb des Querbalkens zu lesen: „Fest steht das Kreuz, mag auch der Erdball wanken.“
Der Feind mag mich angreifen – fest steht das Kreuz! Ich mag an meinem Heil zweifeln – fest steht das Kreuz! Der Verführer mag mich ins Grübeln stürzen – fest steht das Kreuz! Durch alle Stürme, Wogen und Wellen hindurch läuft mein Auge die Ankerkette von Golgatha entlang und sieht den Heilsanker in Jesu Herz und Händen endgültig und auf ewig eingeschlagen.
Wie den Flüchtlingskindern von höherer Autorität der Sieg erkämpft und garantiert wurde, stehen auch wir auf der Seite dessen, der uns den bleibenden Sieg erkämpft und garantiert hat. Ein endgültiger, nie zu wiederholender Triumph, den uns niemand mehr streitig machen oder nehmen kann. „Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus“ (1Kor 15,57).

Martin von der Mühlen

PP 2018 06

Rezension

  • UNBEKANNTE SÜNDE

aktuelles

  • DIE GRÖSSTE BEDROHUNG IM NAHEN OSTEN

denken

  • VERFÜHRUNG MERKT MAN NICHT!
  • WAS WÄRE, WENN ES KEINE WAHRHEIT GÄBE?

glauben

  • GEMEINDE: HOFFNUNG HAT EINEN ORT
  • MUT IST GEFRAGT - Jeremia
  • SEID WACHSAM

leben

  • ENDGÜLTIG
  • MUTMACHER WERDEN
  • DIE SPINNE "FUSSEL"
  • GEISTLICHER KAMPF MIT DEM ZEITGEIST
  • WAS IST TOLERANZ
Orientierung

Die PERSPEKTIVE analysiert aktuelle Entwicklungen – denn wir brauchen Orientierung, wenn selbst Fakten fragwürdig werden.

Maßstab

Die PERSPEKTIVE stellt sich der Bibel und wichtigen Fragen unserer Zeit – denn alles, was wir über und von Gott wissen können, zeigt er uns in seinem Wort.

Ermutigung

Die PERSPEKTIVE ermutigt, Jesus Christus zu vertrauen und Zweifel zu überwinden – denn Glaube lebt aus einer aktiven Gottesbeziehung.

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