PERSPEKTIVE Juli - August 2021

Verantwortung für mich selbst?

Auf sich selbst achthaben, nach Geist, Seele und Leib

Mein Chef meint es gut mit mir. Er überlässt mir einen nagelneuen Firmenwagen: Oberklasse-Modell, 280 PS, Luxusausstattung mit allen technischen Raffinessen. Dafür muss ich zwar auf die nächste Gehaltserhöhung verzichten, trotzdem ist der Vorteil eindeutig auf meiner Seite. Ich darf den teuren Schlitten auch privat benutzen, für alle Fahrten, sogar zum Brötchenholen – hat mein Chef gesagt. Allerdings soll ich sorgfältig damit umgehen, so, als ob es mein Eigentum wäre. Na ja, das versteht sich von selbst, er wird sich darauf verlassen können! Und meine Freunde werden staunen!Außerdem ist alles vertraglich geregelt: Leasing, Versicherungen, schriftliche Vereinbarung der Sorgfaltspflicht usw.

… für etwas Wertvolles

Gibt es eigentlich noch etwas Wertvolleres als diese Nobelkarosse?, so frage ich mich. Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen: Ja! Da ist so einiges, was den Wert eines fahrbaren Untersatzes weit in den Schatten stellt, wenn ich nur an Leib und Leben, Gesundheit, Geist und Seele denke. Und ist mir das nicht auch von meinem „obersten Chef“ kostenlos zur Verfügung gestellt worden? Auch zum privaten Gebrauch! Und auch zum Brötchenholen! Sogar ohne schriftliche Vereinbarung, ohne Haftpflicht oder Leasingvertrag!Allerdings, ein umfangreiches Vertragswerk habe ich schon in der Hand. Mein Schöpfer hat vieles genau geregelt, auf fast 1500 Seiten feinstem Dünndruckpapier. Schauen wir also in diesem Schriftstück – in dieser „göttlichen Gebrauchsanweisung“ – einmal nach, wie mein himmlischer Vater sich meine Verantwortung für mich selbst vorgestellt hat. Dabei fällt mir in verschiedenen Übersetzungen auf, dass offensichtlich früher (vor 100 bis 200 Jahren) die Verantwortung weniger präsent war als heute. So kommen die Begriffe „Verantwortung“ und „verantwortlich“ in der gesamten „Elberfelder Bibel“ (Erstausgabe 1855) nur dreimal vor, während ich die Worte in der „Neues-Leben-Bibel“ insgesamt 74-mal lese! Dennoch wird sich an den göttlichen Grundsätzen nichts geändert haben, auch wenn die Begriffe anders geworden sind. Verantwortung für mich selbst – was ist damit gemeint? Sicher keine anständige Frisur oder ordentliche Kleidung, wenn ich aus dem Haus gehe. Mein Zahnarzt hat eher die Kariesprophylaxe im Auge, der Physiotherapeut die richtige Haltung beim Bücken, und meine treusorgende Ehefrau achtet darauf, dass ich mich gesund ernähre und nicht zu viel Schokolade zu mir nehme. Mein Schöpfer dagegen hat eine vollkommen ganzheitliche Sicht auf Leib, Seele und Geist, welche für mein irdisches Leben eine untrennbare Einheit bilden. Dafür habe ich also die Verantwortung übernommen. Allerdings gibt es bei dieser „Dreiheit“ etwas, das in Gottes Augen offensichtlich am wichtigsten ist.Jesus sagt: „Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber sein Leben (o. seine Seele) einbüßte? Oder was wird ein Mensch als Lösegeld geben für sein Leben (o. seine Seele)?“ (Mt 16,26). Dabei kann laut Bibelanmerkungen das Wort „Leben“ auch mit „Seele“ übersetzt werden. Und an anderer Stelle sagt Jesus: „Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als auch Leib zu verderben vermag in der Hölle!“ (Mt 10,28).Daraus ergibt sich doch eindeutig, dass meine Seele, meine Persönlichkeit mit allen Empfindungen und Charakterzügen für Gott wichtiger ist als mein Körper. Auf meine Seele soll ich demnach am meisten achtgeben; hinzukommt, dass man Geist und Seele nicht scharf voneinander trennen kann. Meine Gedanken und mein Verstand, den Gott mir ebenfalls geschenkt hat, spielen also ebenfalls eine große Rolle, wenn es um die Verantwortung für mich selbst geht. Jetzt könnte man meinen, dass der Körper in diesem Zusammenhang kaum eine Bedeutung hat. Weit gefehlt, auch mein Leib mit dem sehr komplizierten Zusammenspiel aller Organe ist ein faszinierendes Wunderwerk aus der Schöpfungswerkstatt Gottes. Nicht umsonst muss König David das feststellen, als er einmal in einer ruhigen Minute seinen Körper betrachtet: „Ich preise dich darüber, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt es sehr wohl“ (Ps 139,14). Und Paulus schreibt im Zusammenhang mit sexuellen Versuchungen: „Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden. Verherrlicht nun Gott mit eurem Leib!“ (1Kor 6,19-20).

Verantwortungslos?

Auch wenn die Prioritätenliste mit meiner Seele beginnt, so ist mein Körper doch nicht unbedeutend, sondern ein außerordentlich wertvolles Geschenk Gottes, mit dem ich verantwortungsbewusst umgehen sollte. Nur – wie sieht ein verantwortungsvoller Umgang mit meinem Körper aus? Für viele Mitmenschen spielt die Körperkultur eine recht große Rolle, anderen wieder ist ihr leibliches Wohl völlig gleichgültig. Wenn ich mich selbst und viele meiner Mitbürger genauer betrachte, gibt es mehrere problematische Wege beim Umgang mit dem Körper und seiner Gesundheit:• Der Körper als Vergnügungsobjekt: Alles, was Spaß macht, ist erlaubt. Dazu gehören übermäßiges Essen und Trinken, ungezügelte Sexualität, Extremsportarten usw. • Der Körper als „Götze“: Gesunde Lebensweise einschließlich Ernährung, Wellness, Fitness, Anti-Aging, kosmetischen Operationen usw. werden zur Ersatzreligion.• Vernachlässigung des Körpers: mangelnde Hygiene, Schlafentzug, Nikotinkonsum, Drogen, Nichtbeachtung von Warnsymptomen ernster Erkrankungen.Irgendwo dazwischen scheint der goldene Mittelweg zu liegen, den mein Schöpfer für mich vorgesehen hat: eine ausgewogene Ernährung ohne Fanatismus, genug Bewegung, auch mal Sport, ausreichend Schlaf und kein Dauerstress. Ich achte also auf meine Gesundheit, ohne irgendetwas zu übertreiben oder zu einer Ersatzreligion zu machen. Dazu gibt mir die Bibel einen recht interessanten Hinweis:„Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist.“ (Röm 12,1)Wie ich mit meinem Körper umgehe, kann von den Menschen in meiner Umgebung als „Opfer für Gott“ und als „vernünftiger Gottesdienst“ wahrgenommen werden. Letztlich wird also mein Vater im Himmel sogar damit geehrt, wenn ich seine Geschenke (Leib und Gesundheit) angemessen und sorgfältig behandle!

Seele und Geist

Wie sieht es nun mit meiner Seele und meinem Geist aus? Dafür trage ich ebenfalls eine Verantwortung; und wie wir oben gesehen haben, sind diese Bestandteile meiner Persönlichkeit in den Augen meines Schöpfers sogar noch wichtiger als der Leib. Kann ich damit – mit Seele und Geist – also möglicherweise auch Missbrauch betreiben oder falsche Wege gehen? Schauen wir uns einmal um, womit meine Seele heutzutage belastet und geschädigt werden kann: ungeklärte persönliche Schuld, Dauerstreit, Hass, Ärger, Mobbing, Pornografie, Habsucht und vieles mehr … Das ist nur eine kleine Auswahl der massiven Bedrohungen, denen unserer Seele ausgesetzt ist. Wenn ich nicht die Erlösung durch Jesus Christus in Anspruch nehme, werden ich mit meiner Seele hoffnungslos und ewig zugrunde gehen. Die einzige Möglichkeit, meiner Verantwortung für die eigene Seele gerecht zu werden, ist der persönliche, rettende Glaube an Jesus. Meine Seele und auch meinen Geist (Denken und Verstand) kann ich dann vollständig dem Schutz meines Herrn Jesus Christus anvertrauen und mich von ihm immer wieder korrigieren und führen lassen – das ist ohne Zweifel der wichtigste Schritt, meiner Verantwortung für die Seele gerecht zu werden.

Gibt es Gefahren?

Kann ich die Verantwortung für mich selbst auch übertreiben? So wie bei vielen Dingen gibt es auch hier eine Gratwanderung: Nach beiden Seiten droht der Absturz. Einerseits kann ich die Gesundheit meines Körpers und meiner Seele sträflich vernachlässigen, was mir auf lange Sicht nur Schaden bringt – auf der anderen Seite kann mich eine grenzenlose Selbstsucht beherrschen, bei der ich nur mich selbst, mein Wohlbefinden, meine Gesundheit und meine eigenen Ziele im Auge habe. Der Schöpfer, der mir das alles geschenkt hat, kommt in meinem Denken dann gar nicht mehr vor, erst recht nicht meine Angehörigen oder andere Mitmenschen.

Eine letzte Frage

An dieser Stelle müssen wir noch eine letzte Frage klären: Wem gegenüber habe ich eigentlich Verantwortung? Man könnte kurz antworten: Ja, natürlich, Verantwortung habe ich vor mir selbst, wie der Titel dieses Artikels schon sagt. Wenn zum Beispiel mein Zigarettenkonsum zu Lungenkrebs führt, muss ich das vor mir selbst verantworten und kann es nicht Gott zum Vorwurf machen. Ich bin der Verantwortungsträger, ich muss die Folgen tragen. Damit ist meine Verantwortung aber nicht zu Ende gedacht. Denn wie wir oben gesehen haben, gibt es eine „höhere, letzte Instanz“: einen Schöpfer, der mir Leib, Seele, Geist und Gesundheit zur Verfügung gestellt hat. Ihm gegenüber muss ich Rechenschaft darüber ablegen, wie ich mit seinen Geschenken umgegangen bin. Die „Schlussabrechnung“ meiner Verantwortung als Christ kommt nämlich noch:„Warum verurteilst du dann deinen Bruder? Und du, warum verachtest du ihn? Wir werden doch alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. – Also wird jeder von uns für sich selbst vor Gott Rechenschaft abzulegen haben.“ (Röm 14,10.12)„Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht, dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses.“ (2Kor 5,10).Da liegt also meine entscheidende Verantwortung: vor Gott und vor meinem Herrn Jesus Christus. Dabei gibt es einen tröstlichen Aspekt: Bestraft werde ich an diesem zukünftigen Richterstuhl nicht mehr, auch wenn ich es verdient hätte. Denn Jesus hat für mich, für mein Versagen und meine Sünden die Strafe Gottes am Kreuz ertragen. Hier wird nur alles das ausgelöscht, was in meinem Leben nicht zur Ehre Gottes beigetragen hat. Was übrig bleibt, dient dem Lobpreis Gottes und bedeutet für mich tiefe Dankbarkeit und ewiges Leben in der Herrlichkeit des Himmels.

Dr. Wolfgang Vreemann war als Facharzt für Innere Medizin tätig und war Vorsitzender des Weißen Kreuzes e. V., Ahnatal.

 

p-4-2021

Rezension

  • RICHTIG LEBEN, WEIL DER KÖNIG KOMMT - MARKUS SCHÄLLER (Ralf Kaemper)
  • UNVERGESSENE PASTOREN UND EVANGELISTEN - MATTHIAS HILBERT (Jörg Swoboda)

denken

  • VERANTWORTUNG FÜR DAS EVANGELIUM (David Kröker)
  • DIE SCHÖPFUNGSVERANTWORTUNG DES MENSCHEN (Dr. Reinhard Junker)
  • WENN VERANTWORTLICHE VERSAGEN (Andreas Ebert)
  • ZITTERN ERWÜNSCHT? (Karl-Heinz Vanheiden)

glauben

  • DIE UNWANDELBARE TREUE GOTTES (Dr. Klaus Leihkauf)
  • IM INTERNIERUNGSLAGER (Joachim Köhler)
  • GELASSENHEIT LERNEN (Natascha Schmidt)

leben

  • VOM SEGEN DER VERANTWORTUNG (Martin von der Mühlen)
  • VERANTWORTUNG FÜR MICH SELBST (Dr. Wolfgang Vreemann)
  • VERANTWORTUNG LEHREN, LERNEN UND ERZIEHEN
  • DIE VERANTWORTUNG DER SCHAFE (Andreas Droese)
  • VERANTWORTUNG ABGEBEN (Joachim Loh)
  • ADAM - WO BIST DU? (Waldemar Grab)
  • FRITZ BINDE -VOM ATHEISTEN ZUM CHRISTUSZEUGEN (Matthias Hilbert)
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Ermutigung

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