PERSPEKTIVE November - Dezember 2022

WENN LIEBE AUF GEBOTE TRIFFT

Warum Liebe und Gottes Gebote zusammengehören

Liebe. Sie ist in unserer Kultur der Wert schlechthin. Schon die Beatles haben das auf den Punkt gebracht: „All you need ist love.“ Alles, was du brauchst, ist Liebe. Liebe wird alle Sorgen und Probleme lösen, von den kleinen, persönlichen bis zu den großen, globalen. Denn alles, was du brauchst, ist Liebe. Eine entscheidende Frage bleibt aber: Was ist Liebe? Schon eine kurze Internetrecherche liefert unzählige Ergebnisse: „Liebe ist Sehnsucht“, „Liebe ist überwältigend“, und vor allem: „Liebe ist grenzenlos.“ Gibt es eine Eigenschaft der Liebe, die heute vor allem betont wird, dann die, dass sie grenzenlos ist. Sie kennt keine Festlegung oder Einschränkung. Im Gegenteil! Wo das geschieht, hört Liebe auf, Liebe zu sein. Bei den unzähligen Fundstellen zum Thema Liebe wird man jedoch auf eine Aussage nie stoßen: „Liebe braucht Gebote.“ Im heutigen Empfinden stehen sich Liebe und Gebot diametral entgegen. Sie schließen sich aus. Auch die Bibel, Gottes Wort, spricht an unzähligen Stellen von Liebe. Und tatsächlich sieht auch sie in der Liebe die Lösung aller Sorgen, Nöte und Probleme. Jedoch mit einer entscheidenden Wendung. Einer, die dem heutigen Empfinden widerspricht. Denn für Gott stehen sich Liebe und Gebote nicht unversöhnlich gegenüber. Das Gegenteil ist der Fall. Die Gebote sind Ausdruck der Liebe Gottes und helfen uns zu erkennen, wie Liebe konkret gelebt wird. Christen können Liebe nicht ohne Gebote denken!

Liebe ist die Erfüllung der Gebote

Wie untrennbar für Gott Liebe und Gebote miteinander verbunden sind, zeigt der Apostel Paulus. Im Römerbrief schreibt er: „Seid niemandem irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben! Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt“ (Röm 13,8). Liebe steht dem Gebot oder Gesetz nicht entgegen. Paulus hebt hervor, wie die Liebe unter Christen, aber auch zu allen anderen Menschen, das Gesetz erfüllt. Erfüllt ist dabei das entscheidende Wort. Heute möchte man glauben machen, die Liebe trete an die Stelle der Gebote. Als würde Liebe die Gebote ablösen. Christen wissen jedoch, dass Liebe die Gebote erfüllt. Die Gebote sind Ausdruck der Liebe, indem sie zeigen, wie praktisch geliebt wird. Deshalb nennt Paulus direkt im Anschluss beispielhaft einige Gebote, wie nicht die Ehe zu brechen, nicht zu töten, nicht zu stehlen und nicht zu begehren (13,9a). Diese Gebote zeigen praktisch, was es bedeutet, einen anderen Menschen zu lieben. Wer seinen Nächsten liebt, der wird ihm nicht Schmerzen zufügen, indem er ihm die Frau oder den Mann wegnimmt. Zu lieben heißt, das Leben zu achten und schützen. Liebe zeigt sich darin, niemandem etwas zu stehlen und sich an dem zu freuen, was andere haben, anstatt es ihnen zu neiden. Welches Gebot auch immer Gott schenkt, sie alle finden ihre Erfüllung im Gebot, seinen Nächsten zu lieben (13,9b). Liebe tritt nicht an die Stelle der Gebote, sondern die Gebote zeigen, wie sie konkret gelebt wird. Dabei ist die Liebe die Motivation, um die Gebote zu halten. Daniel Doriani bringt es treffend auf den Punkt: „Gebot und Liebe arbeiten zusammen: Die Gebote lehren uns, wie wir lieben sollen, während die Herzenshaltung der Liebe die Motivation dazu bietet.“1Wenn wir Liebe von den Geboten Gottes trennen, wäre es schwierig, überhaupt zu sagen, was Liebe ist und ausmacht. Jeder würde letztlich aus seinem Gefühl selbst bestimmen, was Liebe ist und was nicht. Der Apostel Paulus widersteht der Gefahr, Liebe als etwas anzusehen, das mit den Geboten unvereinbar ist. Der Theologe Thomas Schreiner warnt, welche Folgen es hat, Liebe von den Geboten zu trennen: „Es gibt ... die Gefahr, Liebe von moralischen Normen zu trennen. Wird Liebe jedoch von jeglichen Geboten abgeschnitten, löst sie sich leicht in Gefühlsduselei auf. Geschieht dies, kann praktisch jede Handlung als ‚liebevoll‘ verteidigt werden.“2Doch manchmal begehen Christen auch den entgegengesetzten Fehler, Liebe völlig von Gefühlen zu trennen. Mehr als einmal habe ich den Satz gehört: „In der Bibel ist Liebe kein Gefühl.“ Doch dieser Gegensatz zwischen Liebe und Gefühl ist ebenso falsch wie der zwischen Liebe und Gebot. Liebe ist durchaus auch ein Gefühl, das jedoch die Gebote braucht, um mit Inhalt gefüllt zu werden.

Liebe – eine unbezahlbare Verpflichtung

Im Abschnitt direkt vor dem zitierten schreibt Paulus, Christen sollten den Staat achten, wozu auch die Pflicht gehört, Steuern zu bezahlen, Zoll zu entrichten und Ehre zu geben (13,7). „Gebt allen, was ihr ihnen schuldig seid“, lautet die Aufgabe. Nur einen Vers später fordert er: „Seid niemandem irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben“ (13,8)! Paulus wechselt von einer finanziellen Schuld, die bezahlt werden soll, zur Schuld der Liebe, die niemals bezahlt werden kann. Er ist nicht nur von der überragenden Bedeutung der Liebe überzeugt. Für ihn ist Liebe darüber hinaus eine Schuldigkeit, die niemals aufhört. Wie es der Theologe Leon Morris ausdrückt: „Wir mögen unsere Steuern bezahlen und sind damit quitt. Wir mögen Respekt und Ehre geben, wo sie angemessen sind, ohne weitere Verpflichtungen zu haben. Aber wir können niemals sagen: ‚Ich habe all die Liebe gegeben, die ich geben soll.‘ Liebe ist eine permanente Verpflichtung, eine Schuldigkeit, die unmöglich zu tilgen ist.“3Jemanden zu lieben bedeutet weit mehr, als es einfach zu sagen. Liebe zeigt sich praktisch, sowohl innerhalb der Gemeinde als auch den Menschen gegenüber, die nicht glauben. Gottes Gebote helfen uns dabei zu erkennen, wie praktisch gelebte Liebe aussieht und worin sie besteht. Christen lieben die Menschen, denen sie tagtäglich begegnen, in ihren Familien, in der Schule, im Studium, bei der Arbeit, beim Einkaufen, im Kino … Und dabei haben sie nie die Möglichkeit zu wählen, ob sie lieben wollen oder jemand ihre Liebe verdient. Denn Liebe ist eine Verpflichtung ohne Obergrenze.

Geliebte lieben

Es gibt die Gefahr, einen Text nur für sich zu betrachten und damit absolut zu setzen. Wenn Paulus die Liebe als Erfüllung der Gebote beschreibt, erhebt er sie dann nicht zur Bedingung, ob jemand überhaupt zu Gott kommen kann und zu ihm gehört? Nein. Denn vorher in seinem Brief hat er viel über die erlösende Liebe Gottes, die Christen in Jesus erfahren haben, gesprochen. Sie ist die Grundlage, um zu lieben. Es sind Geliebte, die lieben. Paulus fordert auf, unseren Nächsten wie uns selbst zu lieben (13,9). Christen können dies jedoch nur deshalb tun, weil ihnen Gottes Liebe durch den Heiligen Geist in ihre Herzen gegeben wurde (5,5). Mehr noch wissen sie, dass Gott sie mit sich versöhnt hat, als sie noch seine Feinde waren (5,10)! Die eigene Liebe zu Gott ist also nicht die Bedingung ihrer Erlösung, sondern ihre Folge. Die erlösende Liebe Gottes ist es, die Christen lieben lässt. Geliebte lieben! Die erfahrene Liebe Gottes – durch das, was Jesus getan hat – verändert. Sie ist Grundlage und Motivation, um zu lieben. Der Theologe John Frame bringt es auf den Punkt: „Wir sind nicht gerettet, weil wir das Gesetz befolgen. Aber wir sind immer verpflichtet, das Gesetz zu halten. Und sobald wir gerettet und vom Tod zum Leben auferweckt wurden, spüren wir das Verlangen danach, aus Liebe zu Gott und zu Jesus das Gesetz zu halten. Das Gesetz ist nicht nur eine beängstigende Reihe von Geboten, die uns zu Christus treiben sollen, sondern auch die sanfte Stimme des Herrn, der seinem Volk zeigt, dass die besten Segnungen dieses Lebens zu uns kommen, wenn wir seinem Willen folgen.“4

Die Zeit, in der wir leben, und unsere Kultur mögen uns vorgaukeln, Liebe sei nur dann Liebe, wenn sie im wahrsten Sinne grenzenlos ist, dass sich Liebe und Gebote ausschlössen. Wie dankbar dürfen wir für Gottes Wort sein! Es lässt uns verstehen, dass wir unendlich geliebt sind. Weil das so ist, können wir andere lieben; sollen und wollen dies auch tun. Gottes Gebote zeigen uns, wie wir dieser Verpflichtung zu lieben nachkommen können. Denn Gottes Gebote sind Ausdruck seiner Liebe.

Thomas Lauterbach

p-2022-06

denken

  • WO ENTSPRINGT UNSER WILLE (Martin P. Grünholz)
  • VOM WILLEN GOTTES... (Ralf Kaemper)

glauben

  • WENN LIEBE AUF GEBOTE TRIFFT (Thomas Lauterbach)
  • "NICHTS IST UNMÖGLICH" (Markus Wäsch)
  • VON JESUS LERNEN (Siegbert Krauss)
  • WARUM GEHORCHEN FASZINIEREND IST (Dieter Ziegeler)
  • HEILIGUNG UND GNADE (David Gooding)

leben

  • WARUM SIND WIR UNGEHORSAM? (Horst Katzmarzik)
  • KOPF UND BAUCH (Heiko Schwarz)
  • NACHHALTIGKEIT ... (Jochen Franz)
  • WAS GOTT UNS ZUMUTET (Martina Kausemann)
  • ZWISCHEN KLIMARETTER UND MENSCHENRETTER (Hartmut Jaeger)
Orientierung

Die PERSPEKTIVE analysiert aktuelle Entwicklungen – denn wir brauchen Orientierung, wenn selbst Fakten fragwürdig werden.

Maßstab

Die PERSPEKTIVE stellt sich der Bibel und wichtigen Fragen unserer Zeit – denn alles, was wir über und von Gott wissen können, zeigt er uns in seinem Wort.

Ermutigung

Die PERSPEKTIVE ermutigt, Jesus Christus zu vertrauen und Zweifel zu überwinden – denn Glaube lebt aus einer aktiven Gottesbeziehung.

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