PERSPEKTIVE Januar - Februar 2023

Das Beste kommt noch

Warum Zukunftshoffnung fit für die Gegenwart macht

Alle Menschen tragen einen Splitter Ewigkeit in sich (Pred 3,11). Abhängig davon, wie ein Mensch zu Gott steht, mag das Ewigkeitsbewusstsein unter dem Abraum des Zeitgeistes verschüttet sein. Aber es ist von Beginn an in uns angelegt. Weil wir in Gottes Ebenbild und auf Gott hin geschaffen wurden, haben wir Sehnsucht nach einer Welt, in der wir endlich so sein können, wie Gott uns ursprünglich gedacht hat.Doch selbst wenn wir Christen über unsere himmlische Heimat sprechen wollen, stehen wir vor einem Dilemma. Wir leben in einer gebrochenen Gegenwart, in einer dreidimensional erfahrbaren Welt, in der die Zeit linear verläuft. Doch unser Glaube ist auf eine Zukunft ausgerichtet, die anderen Gesetzmäßigkeiten folgt: ewig, in einer neuen Körperlichkeit, ohne Tod. Eine Zukunft, die wir nur in groben Zügen kennen und die wir uns auch nur bedingt vorstellen können. Der Apostel Johannes hat es für mich am besten zusammengefasst: „Ihr Lieben, schon jetzt sind wir Kinder Gottes, und was das in Zukunft bedeuten wird, können wir uns jetzt noch nicht einmal vorstellen. Aber wir wissen, dass wir von gleicher Art sein werden wie er, denn wir werden ihn so sehen, wie er wirklich ist“ (1Jo 3,2)

Wie also können wir über Ewigkeit sprechen, über eine zeitlose Zukunft, die wir noch nicht erlebt haben, auf die aber unsere ganze Existenz zuläuft? Und wie beeinflusst der Glaube an eine Ewigkeit mit Gott unser diesseitiges Dasein, in dem das ewige Leben schon begonnen hat? Es gibt nun mal keine Videoclips von Gottes neuer Welt, keine Fünf-Sterne-Bewertungen schon vor uns Angekommener. Alles, was wir über die Ewigkeit wissen, basiert auf den Aussagen von Jesus Christus und den biblischen Autoren. Deshalb sind diese Informationen entweder sehr bildhaft (das neue goldene Jerusalem als riesiger Würfel mit 2220 km Kantenlänge), oder sie beschreiben Qualitäten („Es wird keinen Tod mehr geben und auch keine Traurigkeit, keine Klage, keinen Schmerz“). Das ist genug, um sich auf eine Zukunft mit Gott zu freuen, aber zu wenig, um detaillierte Aussagen darüber zu treffen, wie beispielsweise ein „geistlicher Leib“ beschaffen sein wird.Aber darum geht es auch gar nicht. Unser Wissen über die himmlische Heimat soll nicht dazu führen, dass wir uns als wirklichkeitsvergessene Frömmelnde in ein geistliches Wolkenkuckucksheim zurückziehen. Es soll uns im Hier und Heute motivieren, auf dem Weg in eine Zukunft, die für uns zwar schon begonnen hat, aber die wir in ihrer Vollkommenheit erst erleben werden, wenn wir aus dieser Welt in Gottes neue Schöpfung hinübertreten.

Perfektion mit innewohnenden Fehlern

Unsere Erde ist wunderbar gemacht. Schönheit, Kreativität und Genialität begegnen uns auf allen Ebenen der Schöpfung, angefangen bei unvorstellbar weit entfernten Galaxien bis hin zum mikroskopisch kleinen DNA-Doppelstrang. Bisweilen kommt es mir so vor, als hätten wir Christen mehr Probleme als andere damit, die Schönheit der Welt einfach zu genießen. Vielleicht, weil wir sofort immer auch die andere Seite der Medaille sehen: Unser Universum ist mit massiven Defekten behaftet. Dabei handelt es sich nicht nur um ein paar Schönheitsfehler, sondern um eine ihm innewohnende destruktive Degeneration, die unsere Welt wie ein Krebs befallen hat und Stück für Stück zerstört. Täglich erleben wir Krankheit, Egoismus, Unmoral, Krieg und Tod. In der Natur und in der Gesellschaft. Auf Makro- und Mikroebene. Ausgelöst wurden diese Fehlfunktionen, als sich die ersten Menschen von Gott lossagten. Wir kennen die Geschichte des Sündenfalls auf den ersten Seiten der Bibel. Genau aus diesem Grund hat unsere Erde ein Verfallsdatum (welches nur Gott kennt). Sie ist ein Schiff, das untergeht. Und wie reagieren wir auf diese Erkenntnis?

Keine Panik!

Wir können gelassen in die Zukunft schauen, denn unser Herr verspricht uns: „Ich gebe euch einen Frieden, wie die Welt ihn nicht geben kann. Lasst euch nicht in Verwirrung bringen, habt keine Angst.“ Gleichzeitig kann uns diese Einsicht helfen, die Menschen um uns herum besser zu verstehen, die von Furcht getrieben sind. Zum Beispiel die Leute der „Letzten Generation“, die sich in letzter Zeit öfter auf Autobahnen und an Gemälden festkleben, um auf Umweltzerstörung und Klimawandel hinzuweisen. Sie tun das, weil sie keine andere Perspektive sehen. Sie haben Ohren für das Seufzen der Schöpfung, auch wenn sie sich irren, denn:

Wir können das Ruder nicht herumreißen

Zwar tragen wir die Verantwortung, Gottes Schöpfung zu schützen und sorgsam mit Ressourcen umzugehen. Doch trotzdem werden wir niemals das Himmelreich in dieser Welt realisieren. Selbst wenn wir die Erderwärmung und Umweltverschmutzung meistern sollten (woran der Charakter des Menschen mich zweifeln lässt), würden wir keinesfalls die Herzerkaltung und Seelenverschmutzung in den Griff bekommen. Diese Erkenntnis darf uns jedoch nicht behäbig und kaltherzig werden lassen. Wir sollten es uns auf der irdischen Titanic nicht zu gemütlich machen, schließlich sind wir aufgerufen, Menschen den Weg zum Rettungsboot zu zeigen.

Zeitliche Probleme und ewige Herrlichkeit

Jesus Christus machte seinen Nachfolgern von Anfang an keine Illusionen: „Die ganze Welt wird euch hassen, weil ihr zu mir gehört.“ Wir erleben diese Realität in den immer wiederkehrenden Versuchen, Gottes gute Gebote und Ordnungen auf allen Ebenen auszuhebeln. Das ging schon den Aposteln in Jerusalem so, die konterten: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Sie waren überzeugt, dass die zeitlichen Schwierigkeiten in der ewigen Gesamtrechnung überhaupt nicht ins Gewicht fallen würden. Im Umkehrschluss gilt: Wir können mit Widrigkeiten nur dann richtig umgehen, wenn wir uns auf Gottes Zukunft ausrichten. Ewigkeit in unserem Herzen ist nötig, um Kraft für die Zeit auf der Erde zu haben. Wir brauchen, mit einem Wort:

Sehnsucht

Diese Sehnsucht ist ein Gottesgeschenk. Sie wird am Leben gehalten durch den Heiligen Geist in uns. Und sie wächst, wenn wir uns im täglichen Bibellesen neu klarmachen lassen, dass wir nur auf der Durchreise sind. „Unsere Sehnsucht gilt jener künftigen Stadt, zu der wir unterwegs sind.“ Unsere Entscheidungen, unser Handeln in Beruf, Familie und Gemeinde sprechen eine deutliche Sprache. Wofür wir Zeit, Geld und Kreativität einsetzen, das ist uns wirklich wichtig, und danach sehnen wir uns. Natürlich müssen wir die Balance finden. Es wäre unverantwortlich, nicht in die eigene Rentenversicherung einzuzahlen, nicht das sprichwörtliche Apfelbäumchen zu pflanzen. Doch wir tun das mit einer tiefen Sehnsucht im Herzen. Die Jenseitsorientierung gibt Kraft für das Leben im Diesseits.

Das Beste: eine Person, ein Ort und viele Dinge, die es nicht mehr gibt

Wenn wir von Ewigkeit reden, ist damit kein esoterischer Gleichgewichtszustand gemeint. Wir erwarten eine konkrete Person: unseren Herrn Jesus Christus, der als Weltenrichter den Schlussstrich unter all das ziehen wird, was in unserem Universum falsch gelaufen ist. Nicht nur das, er hat auch uns, seinen Nachfolgern, ein Versprechen gegeben: „Und wenn ich hingegangen bin und euch den Platz vorbereitet habe, werde ich wiederkommen und euch zu mir holen, damit auch ihr da seid, wo ich bin.“ All das spielt sich nicht in einer undefinierten Grauzone ab. Das Ziel unseres Glaubens, die endgültige Gemeinschaft mit dem Vater, lässt sich nicht nur an einer Person, sondern auch an einem sehr persönlichen Ort festmachen: Wir werden ein Zuhause haben, eine göttliche Wohngemeinschaft: „Jetzt ist Gottes Wohnung bei den Menschen. Unter ihnen wird er wohnen und sie alle werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein.“ Am Ende wird jegliche Autorität Gott unterworfen, „… damit Gott alles in allem sei“. Unsere christliche Hoffnung lässt sich mit wenigen Worten umreißen: Gott der Schöpfer verspricht ein zeitloses Leben in einer ganz neuen Qualität. Ein Leben ohne Tod, Traurigkeit oder Schmerzen. Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir trotzdem nicht vorstellen, wie das Leben auf der neuen Erde aussehen wird. Werden wir fliegen können? Wird es noch Fußball geben oder Bücher oder Kunst? Am Ende brauchen wir – solange wir noch in der Diesseitigkeit leben – Vergleiche mit der Welt, die wir kennen und in der Tod, Traurigkeit und Schmerzen noch zum täglichen Erleben gehören. Immer, wenn wir wieder eine Enttäuschung, einen Abschied, eine Ungerechtigkeit erleben, dann können wir uns Mut damit machen, dass das in Gottes neuer Welt anders sein wird.

Unsere Tochter Matilda fragte neulich, ob die Bibel mit unseren eigenen Geschichten fortgeschrieben würde, so wie die Abenteuer von Josef, Mose, David oder Daniel. Wir erklärten ihr, dass es im Himmel zumindest ein Buch gibt, in dem auch ihr Name aufgeschrieben ist: das Buch des Lebens. Daraufhin fing sie mitten auf dem Bürgersteig zu tanzen an: „Mein Name ist im Himmel aufgeschrieben, juhu!“ Dieser Freudentanz ließ mich meine eigene Himmelshoffnung neu auf den Prüfstand stellen. Christliche Hoffnung ist kein theoretisches Für-möglich-Halten, sondern eine motivierende Gewissheit, ein Überzeugt-Sein von Dingen, die wir noch nicht gesehen haben, aber von denen wir sicher wissen, dass sie für uns schon vorbereitet sind. Genau diese frohe Realerwartung ist es, die uns mit beiden Beinen in der Welt stehen lässt und die „selbst auf Erdenauen schon Himmelsblumen treibt“.

Heiko Schwarz

ppp-2023-1

Rezension

  • AUF AUGENHÖHE (Dieter Ziegeler)

aktuelles

  • WENN DIE LIEBE KALT WIRD (Andreas Ebert)

denken

  • ES WIRD SCHON GUT GEHEN... (Dieter Ziegeler)
  • ZUKUNFTSHOFFNUNG ODER ZUKUNFTSILLUSION? (Ralf Kaemper)

glauben

  • DU BIST EIN GOTT, DER MICH SIEHT (Björn Gerhardt)
  • DAS BESTE KOMMT NOCH (Heiko Schwarz)
  • JESUS CHRISTUS - KENNST DU SEINE HERRLICHKEIT? (Dieter Ziegeler)
  • SCHWIERIGE FRAGEN "Wie konnte die Arche Hunderttausende Spezies aufnehmen?

leben

  • WARUM ICH MICH AUF DEN HIMMEL FREUE! (Magdalene Ziegeler)
  • HIMMELSSTÜRMER MIT BODENHAFTUNG (Thomas Kleine)
  • EIN FESTE BURG IST UNSER GOTT (Martin von der Mühlen)
  • WILLIAM WILBERFORCE (Krista Gerloff)
Orientierung

Die PERSPEKTIVE analysiert aktuelle Entwicklungen – denn wir brauchen Orientierung, wenn selbst Fakten fragwürdig werden.

Maßstab

Die PERSPEKTIVE stellt sich der Bibel und wichtigen Fragen unserer Zeit – denn alles, was wir über und von Gott wissen können, zeigt er uns in seinem Wort.

Ermutigung

Die PERSPEKTIVE ermutigt, Jesus Christus zu vertrauen und Zweifel zu überwinden – denn Glaube lebt aus einer aktiven Gottesbeziehung.

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