28. April 2020

Corona

Chancen der Corona-Krise
Viele Menschen leiden wegen des Corona-Virus. Nicht nur diejenigen, die krank geworden sind, sondern auch die, die ihre Kinder und Enkel nicht sehen dürfen, die ihre Schulkinder plötzlich selbst betreuen müssen, die von Arbeit überwältigt werden und kaum mehr Schlaf finden, aber auch diejenigen, die ihre Arbeit verloren haben, die sich fragen, wie jetzt Kredite zurückgezahlt werden sollen, wie das alles weitergehen soll, die echte Existenzängste haben. Das alles nehme ich sehr ernst. Und ich bin davon überzeugt, dass Gott unsere Wahrnehmungen und Empfindungen sehr ernst nimmt.
Aber ich nehme auch die Bibel ernst. Und dort wird uns gesagt, dass denen, die den einen, wahren, lebendigen Gott lieben, alles, was geschieht letztendlich zum Guten zusammenwirkt (Römer 8,28). Und dann kommen wir von Ostern her. Die Botschaft von Ostern ist: Die Perspektive Gottes ist die einzig realistische. Jesus ist derjenige, der war, der ist und der am Kommen ist (Offenbarung 1,4.8; 4,8). Von unserem Vater im Himmel kommt alles. Durch Ihn existiert alles. Und auf Ihn zu sind alle Dinge (Römer 11,36), alle Umstände, alle Mächte, alle Gewalten, alle „Zufälle“, alles, was uns in irgendeiner Weise „überwältigen“ kann.

Die prophetische Botschaft der Bibel
Ja, die Bibel sagt uns bestimmte Ereignisse, auch schreckliches und teilweise sogar grauenvolles Geschehen für die Zukunft voraus. Aber das tut sie nicht, damit wir genau ausrechnen können, wann irgendein Ereignis eintreffen wird. Sie tut das nicht einmal, damit wir uns darauf vorbereiten können, um uns dann fröhlich in unsere Bunker zurückziehen zu können, wenn die Welt um uns herum verzweifelt oder gar untergeht. Das Wort Gottes gibt uns nicht einmal Antworten auf das Warum, das oft so quälend im Raum steht, wenn uns selbst ganz direkt etwas Schweres trifft.
Die Bibel sagt uns voraus, was die Zukunft bringen kann, damit wir zuversichtlich, mutig, gewiss Kurs halten können, auch wenn die Schwierigkeiten unüberwindbar erscheinen. Wir wissen, wer das letzte Wort haben wird, auch wenn wir Vieles nicht verstehen. Die Grundbotschaft der Bibel an diejenigen, die in einer Verbindung mit dem Vater im Himmel leben, ist: Erschreckt nicht! Habt keine Angst! – wenngleich es ganz realistisch gesehen tatsächlich viele Gründe zum Erschrecken und Angst haben gibt.
Ich lebe in der Gewissheit, dass es auf dieser Welt nichts gibt, das mein Vater im Himmel nicht geschaffen hätte. Es gibt nichts, das nicht unter Seiner Kontrolle stünde. Und es gibt nichts, das Er nicht in irgendeiner Weise nutzt, um zu Seinem Ziel zu kommen. Aus dieser Gewissheit heraus sehe ich persönlich drei Antworten, die ich hier weitergeben möchte – ohne jeden Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit, einfach als Anstoß zum selbst Weiterdenken:

1. Die Corona-Krise ist eine Botschaft an die Väter
Weltweit hat Gott durch die Corona-Krise die Berufstätigen und Vielbeschäftigten nach Hause geschickt. Plötzlich müssen wir als Kernfamilie zurechtkommen, können nicht mehr ausweichen in den Freundeskreis, in das Berufsleben, in die Gemeinde. Das ist eine Herausforderung.
Das sechste Kapitel des fünften Buches Mose ist ein sehr zentraler Text im Judentum. Mit Vers 4 beginnt das „Schema Israel“, eine Art Glaubensbekenntnis des jüdischen Volkes, das täglich mehrfach gebetet wird.
Das zentrale Thema dieses Kapitels sind „das Gebot, die Satzungen und Rechtssprüche, die der Herr, euer Gott, geboten hat, um euch zu lehren, zu tun in dem Land, in das ihr hinübergeht, um es als Erbteil einzunehmen“ (Vers 1). Das Volk Israel soll ein Leben führen, das vom Wort Gottes durch und durch geprägt ist. „Diese Dinge, die ich dir heute befehle, sollen auf deinem Herzen sein“ (Vers 6).
Den Kindern einprägen
Und genauso wichtig, wie das authentische Leben in der Gegenwart Gottes, ist dann, praktisch im selben Atemzug, der Blick auf die Kinder und die Enkel (Vers 2). „Präge [diese Worte Gottes] deinen Söhnen ein, indem du sie ständig wiederholst.“ Das wird dem Volk Gottes täglich gesagt: „Rede über sie wenn du in deinem Haus sitzt, wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst“ (Vers 7). „Wenn dein Sohn dich fragt… dann erzähle ihm…“ (Verse 20-21).
Den Vätern des Volkes Gottes wird aufgetragen: Lass dir etwas einfallen, wie du die Worte Gottes im täglichen Leben deiner Familie allgegenwärtig machst. „Binde sie als Zeichen an deine Hand. Sie sollen als Merkzeichen zwischen deinen Augen sein. Schreibe sie auf die Türpfosten deines Hauses und deiner Tore“ (Verse 8-9). An keiner Stelle setzt die Heilige Schrift dem Erfindungsreichtum eines Familienvaters, der seiner Familie das Wort Gottes nahe bringen will, Grenzen.
Im biblischen Denken passiert das Eigentliche im Leben und in der Berufung eines Menschen in der Familie. Was in der Familie nicht passiert, passiert nicht.
Von dieser Denkweise ist auch das Neue Testament durch und durch geprägt. Deshalb sind ein geistlich erfolgreiches Ehe- und Familienleben eines Menschen bei Paulus grundlegende Qualifikationen für ein Leitungsamt in der Gemeinde (siehe etwa 1. Timotheus 3,2-5.12-13).
Das, was sich Gott gedacht hat, als er den Mann als Vater geschaffen hat, was er vermitteln wollte, wenn er sich selbst als Vater offenbart hat, kann kein Mann an einen Prediger, Pastor, Pfarrer oder Priester delegieren.
Dies ist übrigens auch eine Botschaft an die Frauen, an die Mütter. Ein Mann kann nur so viel und so gut Vater sein, wie seine Frau ihn dazu macht. Das gilt nicht nur im Biologischen, sondern auch im Psychischen und ganz besonders im Geistlichen. Ganz am Anfang der Geschichte dieser Welt, noch vor dem Sündenfall, hat der Schöpfer selbst die Feststellung gemacht: Ein Mann ohne Frau ist hilflos (1. Mose 2,18).
Das Geheimnis, die Verantwortung und die Herausforderung dieser ersten Corona-Botschaft an die Väter liegen in unseren Ehen und Familien. Nur gemeinsam als Ehepartner, nur gemeinsam als Familien können wir ihr gerecht werden.

2. Die Corona-Krise erinnert uns an den Sabbat
Wenn Israelis einander auf Hebräisch erzählen, dass jetzt alle Flugzeuge am Boden sind, dass die Wirtschaft zurückgeschaltet hat, dass alles zur Ruhe kommt, dann klingt im Wortlaut ständig das Wort „Sabbat“ durch. Gott hat der Welt durch den Corona-Virus einen Sabbat verordnet. Der Herr hat die Menschheit „gesabbatet“.
Erstmals in der Geschichte des modernen Staates Israel gab es im März 2020 einen Sabbat, an dem wirklich jeder in seiner Familie war. Bars, Kinos, Restaurants, alles war geschlossen. Es gab keinen öffentlichen Verkehr, keine Möglichkeit an den Strand zu gehen. Das ganze Land war ruhig gestellt und erlebte einen Sabbat. Die Frage ist nicht, ob uns das gefällt. Die Frage ist, wie wir damit umgehen.
Geschaffen, befreit, geheiligt
Der Sabbat gebietet uns, einen Unterschied zwischen „gewöhnlich“ und „heilig“ zu machen. Er erinnert an den Auszug aus Ägypten und daran, dass es einen Schöpfer gibt. Alle sieben Tage sollen wir innehalten und uns vergegenwärtigen, dass es nicht unsere eigene Anstrengung ist, die uns am Leben erhält. Es ist der Vater im Himmel, der uns auch aus dem Land der Sklaverei und des Todes herausführt. Ihm allein soll unser Leben geweiht sein.
Wer den Sabbat hält, bezeugt, dass es einen Schöpfer gibt und er im Angesicht dieses Schöpfers sein Leben gestaltet. Wer den Sabbat missachtet, zeigt, dass ihm der Schöpfer gleichgültig ist.
Der Sabbat als Tag, als Jahr und als „Halbjahrhundert“
Nun gibt es in der Bibel nicht nur den „Sabbat“ als siebten Tag der Woche. In 3. Mose 25 erklärt Mose dem Volk Israel im Auftrag Gottes: „Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch gebe, so soll das Land dem Herrn einen Sabbat halten“ (Vers 2). Alle sieben Jahre sollte das Land ein „Sabbat-Jahr“ halten. Es soll ruhen und nicht bearbeitet werden.
Und im selben Kapitel wird uns dann auch das „Jubeljahr“ vorgestellt (ab Vers 8). Die Grundbotschaft des Sabbat, ob als Tag, als Jahr oder als Krönung von sieben Jahrwochen, bleibt in allen Fällen dieselbe: Es geht um den Schöpfer, um Befreiung und um Heiligung. Interessant ist, dass wir in Vers 10 unsere erste „Corona-Botschaft“ wiederfinden: „Jeder soll zu seiner Familie zurückkehren“ (Vers 10).
Und wie geht’s weiter?
„Was werden wir essen?“ (3. Mose 25,20), fragten schon die Hebräer, als Mose ihnen das Jubeljahr erklärte. Erstaunlich aktuell greift die Bibel die Reaktion von Vielen auf, denen der Corona-Virus eine Sabbatzeit aufdrängt. Sorgenvoll fragt man sich: „Wie geht es weiter?“
Die Antwort des Gottes Israels auf diese Frage ist: „Ich werde im sechsten Jahr meinem Segen befehlen, den Ertrag von drei Jahren zu produzieren, so dass ihr im achten Jahr noch genug zur Aussaat haben werdet“ (3. Mose 25,20-22).
Der Sabbat als Tag, Jahr oder Halbjahrhundert soll zu einer Rückbesinnung auf den Schöpfer, auf den Gott Israels führen und zu der Erkenntnis, dass Er versorgt. Der Sabbat ist das Ende des Traums von der Selbstgenügsamkeit. Wir sind und bleiben immer vollkommen abhängig vom Vater im Himmel.
Du wirst „große und gute Städte, die du nicht gebaut hast“ bewohnen, „Häuser, angefüllt mit allen guten Dingen, die du nicht gefüllt hast“, hatte Mose dem Volk vor dem Einzug ins Land erklärt. Dein Wasser kommt „aus in Stein gehauene Zisternen, die du nicht gehauen hast“, und „Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt hast“, werden deinen Lebensunterhalt liefern: „Du wirst essen und satt werden“ (5. Mose 6,10-11).

3. Die Corona-Krise offenbart, wer unser Gott ist
Ein roter Faden durch unsere beiden Texte, 5. Mose 6 und 3. Mose 25, ist die Aufforderung: „Fürchte den Herrn, deinen Gott!“ (3. Mose 25,17.36.43; 5. Mose 6,2.13), oftmals verbunden mit der Warnung vor „anderen Göttern“. Eigentlich ist das eine Grundbotschaft der gesamten Bibel. Dahinter steht die Erkenntnis: Wen wir fürchten, das ist unser Gott.
Die Corona-Krise bewirkt Angst – und legt dadurch offen, wer eigentlich unser „Gott“ ist, wer das letzte Sagen in unserem Leben hat. Der Hebräerbrief (12,26-29), mit Rückbezug auf den Propheten Haggai (2,6), erklärt, dass Gott noch einmal alles erschüttern wird, was uns Menschen fest und zuverlässig erscheint, „damit das bleibe, was unerschütterlich ist“ und wir „so dem einen, wahren, lebendigen Gott annehmbar dienen mit Scheu und Furcht.“

Sicherheit, Kontrolle, Anerkennung
Wir Menschen haben drei Grundbedürfnisse: Das Bedürfnis nach Sicherheit, das Bedürfnis, unser Geschick unter Kontrolle zu haben, und das Bedürfnis nach Wertschätzung. Alle drei Bedürfnisse bergen in sich die Tendenz, eine Konkurrenz zu dem Anspruch unseres Schöpfers, alleiniger Herr unseres Lebens zu sein, aufzubauen.
Gott möchte, dass wir unsere Sicherheit in Ihm suchen. Er möchte, dass wir begreifen, dass allein Er alles unter Kontrolle hat. Und Er ist darauf aus, dass wir einzig bei Ihm unsere Wertschätzung suchen. Alles andere nennt die Bibel Götzendienst – auch Menschenfurcht, jede Befürchtung eine totalitäre Herrschaft sei im Anzug, und auch die Angst, unser Wirtschaftswachstum könnte jetzt eine Delle erleiden.
Eine prophetische Stimme aus der Welt
Der jüdische Publizist Henryk M. Broder hielt, wie er selbst schreibt, lange nichts von einem Glauben an Gott. Doch jetzt bekennt er:[1] Seit Kurzem glaube ich, dass es Gott gibt. Ich kann es sogar beweisen. Bis jetzt schien Gott ein cooler Typ zu sein, den kaum etwas aus der Ruhe bringen konnte…
Aber jetzt ist Gott die Faxen leid… Wir sind Gott zu nahe gekommen. Wir haben angefangen, selbst Gott zu spielen. Wir haben seine globale Richtlinienkompetenz verletzt. Wir sind hochmütig geworden. Und Hochmut kommt vor dem Fall.
Wir haben den Zufall abgeschafft und ihn durch eine „Planungssicherheit“ ersetzt… Europa soll bis zum Jahr 2050 der erste klimaneutrale Kontinent werden. Frau von der Leyen will es so, und ihr Wille ist Gesetz. Wir sprechen kein Tischgebet, beten aber Greta und die „Wissenschaft“ an. Unsere Gotteshäuser sind leer, unsere Autobahnen voll.
Eines Tages beschloss Gott, dass es so nicht weitergehen kann. „Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es einen, der die Sache regelt – und das bin ich.“ Wenig später wurde die Gemeinde Heinsberg in NRW in Quarantäne geschickt, die Internationale Tourismus Börse in Berlin abgesagt, der Louvre geschlossen. Gott hat Humor, aber er lässt nicht mit sich spaßen.
© copyright Johannes Gerloff, Jerusalem, Israel
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