2. Juli 2018

Menschenrecht

Menschenrecht
Erstmals gibt es im deutschsprachigen Raum eine Professur, die sich mit dem Thema „Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung“ beschäftigt. Besonders betont wurde die Universalität des Menschenrechts auf Religionsfreiheit und dessen positive Auswirkungen.

An der Freien Theologischen Hochschule Gießen (FTH) ist am Freitag, dem 18. Mai 2018, ein neuer Lehrstuhl an den Start gegangen: Der württembergische Pfarrer Christof Sauer, der zuvor Forschungsdirektor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit war, übernimmt die „Professur für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung“. Nach Angaben der evangelikal geprägten Hochschule ist es die erste derartige Professur im deutschsprachigen Raum.
Stephan Holthaus, Direktor der FTH Gießen, sieht darin ein Signal an die wissenschaftliche Welt, dass diese Themen eben nicht nur auf die Kanzeln, sondern auch an die Universitäten gehören. Er betonte, dass nicht nur Christen, sondern auch Angehörige anderer Religionsgemeinschaften Verfolgung wegen ihres Glaubens erfahren und dass auch ihre Schicksale die Forschung beschäftigen werden: „Religionsfreiheit gilt für alle Menschen, und deswegen wird sich der Lehrstuhl auch für die allgemeine Religionsfreiheit in allen Ländern der Welt einsetzen und nicht nur für die Christen.“

Der spezifische Zusatz „Erforschung der Christenverfolgung“ sei jedoch bewusst gesetzt worden, da man als Theologische Hochschule ein besonderes Interesse an den Fragen der Ausbreitung des Christentums habe. Außerdem, so ergänzt Christof Sauer, erfasse der Begriff „Religionsfreiheit“, der vor allem das menschenrechtliche Konzept abdecke, gar nicht alle Phänomene, mit denen man sich befassen müsse. „Wenn sich zum Beispiel ein Mädchen in Indien dem christlichen Glauben zuwendet und ihre hinduistischen Eltern sie deshalb enterben, dann ist das – solange keine Gewalt angewendet wird – kein Verstoß gegen die Menschenrechte“, so Sauer, „aber natürlich ist es eine Form der religiösen Diskriminierung“. Für solcherlei Fragen braucht man laut Sauer eine speziell kirchlich, christlich, theologische Betrachtung des Themas, und deshalb ist das Thema seiner Meinung nach an einer theologischen Ausbildungsstätte gut aufgehoben.
Neben all den theoretischen Betrachtungen hat FTH-Direktor Stephan Holthaus im Laufe der vergangenen Jahre unter den Absolventen der Hochschule auch einen praktischen Bedarf für dieses Thema entdeckt. „Wir haben über 1.000 Absolventen in 42 Ländern der Welt“, erklärt er, „und einige von ihnen arbeiten in Ländern, in denen es keine Religionsfreiheit gibt oder wo Christen verfolgt werden. Deswegen ist uns als staatlich anerkannte theologische Hochschule das Thema so wichtig.“ Die 140 Studenten an der FTH sollen sich während ihrer Ausbildung nun zumindest ein Semester lang eingehend mit der Thematik befassen.
Inhaltlich setzt Christof Sauer auf verschiedene Schwerpunkte: Methodische und statistische Überlegungen zum Vergleich der Länder und zur Quantifizierung der Verfolgung gehören genauso dazu wie der kirchengeschichtliche Rückblick auf die wegen ihres Glaubens Getöteten und die theologische Deutung der ethischen Fragen. „Ich erhoffe mir, dass durch unser Engagement hier die Themen Religionsfreiheit und Christenverfolgung in der theologischen Ausbildung mehr in die Breite wirken“, so Sauer. Er beschäftigt sich schon seit dem Studium mit dem Themenkomplex – seitdem im Bereich der Missionswissenschaften an seiner Universität keine Seminarinhalte zu „Mission und Martyrium“ angeboten wurden und sein Professor ihn dazu aufforderte, selbst so ein Seminar zu konzipieren. Was folgte, waren diverse Hausarbeiten, Examensarbeiten, Bücher und schließlich sogar seine Habilitation an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal zum Thema „Martyrium und Mission“.
Bonner Querschnitte – Presseinformationen
22.06.2018

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